»Tote Winkel« ist ein fotografisches Requiem auf Europas Mitgefühl. Die Fotografien zeigen bosnische Landschaften und Areale in und um Sarajevo, indem Einschusslöcher in den architektonischen Relikten des Bürgerkriegs als Basis für eine Camera Obscura dienen. Licht wird durch Schusslöcher gebündelt und hinterlässt trostlose Silhouetten der Umgebung, die von einer eigens modifizierten Kamera abgebildet werden. Dieser Krieg und der damit verbundene Genozid ereignete sich vor wenigen Jahren mitten in Europa und erregte trotz zahlreicher Tote kaum Aufmerksamkeit bei den Nachbarländern.
Die zentrale Frage des Projekts ist: Wie kann Fotografie einen Beitrag dazu leisten, ein Bewusstsein für das Leid anderer zu schaffen? Entgegen der stumpfen Gewalt massenmedialer Bilder versuchen diese Bilder die Perspektive von Krieg neu zu eröffnen und die Betrachtenden virtuell in die Schusslinie zu ziehen. Denn zu sehen ist nur das Licht, das durch ein Loch gebündelt wird, das wiederum durch ein Projektil verursacht wurde, mit dem einzigen Ziel, einen Menschen zu verletzen oder zu töten. Als Betrachter*in eines dieser Bilder befindet man sich an einem Ende der Schusslinie: als Opfer oder als Täter.