Ab 2019 gibt es keine Kohle mehr für die deutsche Steinkohle. Die Subventionen des Landes und Bundes laufen aus. 15.000 Mitarbeiter hat die RAG Deutsche Steinkohle AG heute noch, 4500 davon arbeiten unter Tage. Ibbenbüren und Prosper Haniel sind die letzten zwei Bergwerke, die noch fördern. Der Bergbau im Ruhrgebiet wird Ende 2018 zu Grabe getragen. Wirtschaftlich ist dies zu verkraften, sozial verändert es die Region bereits seit Jahrzehnten.
Die Arbeit unter Tage prägt die Bergleute. Sobald sie „anfahren“, betreten sie ihre Welt, eine Welt, die mit der über Tage wenig gemein hat. Hier wird bergmännisch gesprochen. Der „Alte Mann“ ist ein leer geförderter Raum, der einstürzt oder verfüllt wird. Hunt und Katze sind keine Haustiere sondern Maschinen zum Transport von Mensch und Material.
Als Fremder betrat ich eine Art Geheimbund mit eigenen Codes und Regeln. Kumpel sein bedeutet hier im wahrsten Sinne des Wortes, sich immer auf den anderen verlassen zu können. Diesen speziellen Charakter wollte ich oberirdisch festhalten, ans Tageslicht bringen - authentisch und unmittelbar. Die Porträts sind direkt am Schacht entstanden, einem Korridor zwischen Einheit und Individualität.
Die RAG-Stiftung in Essen hat mich von Anfang an bei meinem Projekt unterstützt und mir Zugang zu allen noch fördernden Steinkohle-Bergwerken gewährt. Insgesamt war ich 6 Wochen im Ruhrpott unterwegs und habe über 400 Porträts und zahlreiche analoge Reportage-Bilder fotografiert.
Die Ausstellung „Oberirdisch“ zeigt eine erste Auswahl der Serie. Weitere Ausstellungen im Ruhrpott und ein Bildband sind in Planung.