Ich auch - hier
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Die Fotomotive, die die Urlauber den Lieben daheim ins Haus schicken, sind - manche werden es bereits ahnen - nicht der Traumstrand und auch nicht der Sonnenuntergang. Zwar gehören auch diese Motive zu den Top drei, aber am liebsten fotografieren Reisende sich selbst!
Es geht um den Urlaub, aber es geht auch um die Bilder, die wir davon machen. Erst auf allen Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram gepostete Bilder machen das Erlebte wahr: „Ich auch - hier!“
Es wäre ja zu dumm, das viele Geld für eine Reise ausgegeben zu haben, und es erführe niemand davon.
Ich, ich und ich. Narzisstischen Selbstporträts werden vor allem mit dem Smartphone, oft an einem sogenannten Selfie-Stick befestigt, gemacht. Oder man drückt die Kamera einem Fremden in die Hand mit der Bitte, ein solches Foto „zu schießen“. Diese Fotos werden dann sofort in die sozialen
Netzwerke hochgeladen und damit für die Öffentlichkeit einsehbar gemacht.
Wenn Engelage diese Szenen fotografiert, ist ein privater Blick erlaubt; um diese Fotos aber öffentlich zu zeigen, bedarf es der schriftlichen Genehmigung der Abgebildeten, die sich sonst auf ihr Recht am eigenen Bild berufen können. Engelage zeigt, das gerade wegen anonymisierenden schwarzen Balkens vor den Augen der Narzissmus und das Geltungsbedürfnis der Menschen deutlich werden. Das Selfie als Dokumentation eines Lebens, als Versuch, das eigene Image zu steuern, führt in die Abhängigkeit von einer Parallelwelt in den sozialen Netzwerken.
Gab es eigentlich mal eine Vor-Selfie-Zeit? Alleine oder zu zweit, daheim oder im Urlaub? Egal wo wir sind, wir wollen es der Welt zeigen: Ich habe mich fotografiert – also bin ich.

I was here, too!
The photographic motives tourists send to their loved ones at home are – some of you may have guessed it already – not the beach of your dreams or the sunset. Even though these motives count among the top three, tourists most of all like to take pictures of themselves.
It is all about the holiday, but it is also about the pictures we take of it. Pictures posted on social networks like Facebook, Twitter and Instagram finally turn the experienced holiday into a reality: “I was here, too!” It would be too bad having spent all that money on a trip, and then nobody knows about it.
I, me and myself. Narcissistic self-portraits are mostly done with a smartphone, often attached to a selfie stick. Or you put the camera into the hands of strangers asking them to „shoot“. These pictures are then immediately uploaded to the social networks, thus becoming visible for the public.
When Jutta Engelage takes pictures of a scene like that, a private look is permitted, but in order to show these pictures publicly, she needs the written permission of everyone depicted, because they might otherwise claim rights to their own image.
Jutta Engelage shows how - because of the black bars used to anonymize the pictures - , they document the narcissism and the craving for recognition of the people in them.
The „selfie“ as documentation of a life, as an attempt to control your own image leads to dependence of a parallel world in the social networks.
Just on your own, or with two people, at home or on holiday? No matter where we are, we want to show it to the world: I have taken a picture of myself, therefore I exist.