Water reflections
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Die konventionellen Konzepte von Schönheit und Harmonie sind gar nicht so sehr mein Thema. Ich verzichte fast immer auf die Präsentation der Horizontlinie, eine in der Darstellung der Landschaft unverzichtbare Größe, die es uns ermöglicht, das Gezeigte in seinen Größenverhältnissen und Proportionen zu benennen. Stattdessen ist die Wasseroberfläche identisch mit der Bildfläche, und das Wasser ist belebt durch die Spiegelung des Himmels und der Pflanzen, die den Uferrand der Wasserfläche umstehen. Man nimmt einen grenzenlosen, ungesäumten Naturraum wahr, man sieht eine irritierende Fülle von Strukturen, geheimnisvollen Zeichen auf der Wasseroberfläche - sie erscheinen substantiell greifbar wie auch immateriell gespiegelt, flüchtig, körperlos, unbestimmt, transitorisch.
Wasser, ist das einzige Element in der Natur, das auf seiner Oberfläche ein Abbild erzeugt, auf dem sich Spiegelungen, durch Lichteinfall und die Wellenbewegung verzerrt, zeigen. Hierin liegt ein Teil seiner Faszination.
Die durch meine Fotografie still gestellten Spuren einer bewegten Welt werden zu scheinbar gegenstandslosen Zeichen auf der Fläche. Die greifbaren Erscheinungen der sichtbaren Welt werden neu wahrnehmbar, erscheinen halb benennbar, halb mysteriös und geheimnisvoll. Bisweilen lösen sie sich gänzlich aus ihrer konkreten, beschreibbaren Objekthaftigkeit und erhalten spezifisch bildliche Immanenz, die Naturformen entwickeln, in ihrer schattenhaften Präsenz, ein neues Maß an struktureller Offenheit; sie breiten sich über die Fläche in je eigener Formung.
Ich sehe meine Fotografien auch immer wieder in der Nähe zur abstrakten Malerei - Vergleiche unter anderem mit den Werken von Jackson Pollock sind gezogen worden (die Seerosenbilder Monets in den amerikanischen Sammlungen haben auch auf Pollock gewirkt haben - eine Darstellung ohne Bildzentrum, ein Hinausweisen über die Bildgrenzen...).
Ich erlebe die Natur als "Ansammlung von graphischen Strukturen", die abstrakt lesbar sind - die sich von ihrem Gegenstandsbezug, aus ihrer konkreten Herkunft lösen. Gerade die besonderen Eigenschaften des Wassers haben mich sehr inspiriert sie bildkünstlerisch auszuloten.
Die Spiegelung auf der Wasseroberfläche ist, wie schon gesagt - wenn man so will, ein Abbildungsverfahren der Natur - eine Art von natürlicher Fotografie sozusagen.
Darüber hinaus haben aber gerade auch diese Gründungsväter den Wahrhaftigkeitsanspruch der Fotografie betont - das Foto verspricht, die Realität abzubilden.
Durch die Wahl des Ausschnitts versuche ich Irritationen zu erzeugen, indem ich dem Zufall gestalterischen Raum zuerkenne und, wie gesagt, Strukturen in der Natur aus ihrer gegenständlichen Zuordnung heraushole und sie zu abstrakten Zeichen mache, ich versuche die Fotografie in die Nähe zur Malerei zu bringen.
Die Fotografie bildet ab, aber sie verwirft ihren dokumentarischen Charakter, indem sie die Elemente der Natur verfremdet übermittelt und sie in malerische Oberflächen verwandelt. Das Kunst-Sein der Fotografie wird so im ganz unmittelbaren Sinn sichtbar.