Porträts auf dem Altar des Himmels
Im Süden Pekings befindet sich einer der wichtigsten Orte der chinesischen Geschichte: Tiantan - die Opferstätte des Himmels - ein terrassenförmig gestufter Hügel, dessen Zentrum eine kreisrunde Steinplatte bildet. Hier vollzogen die Kaiser zu Beginn des Sonnenjahres über Jahrhunderte die vorgeschriebenen Opferriten.
Heute erklettern täglich Tausende die drei weißen Marmorterrassen, deren Abstufungen jeweils die Erde, die Welt der Sterblichen und den Himmel symbolisieren. Zielstrebig strömen die Touristen zur obersten Terrasse des Himmels und drängeln sich um den zentralen runden Opferstein in der Mitte.
Hier halten Chinesen Zwiesprache mit ihrem Selbstbild für das Erinnerungsfoto. Man lässt sich fotografieren und posiert: einzeln, zu zweit oder in Gruppen. Man hat wenig Zeit, die nächsten wollen auf den Stein, wollen sich auch fotografieren lassen. Die gelegentlich faszinierende Intimität der Gesten entsteht aus dem individuellen Bezug auf das fotografierende Gegenüber. Man inszeniert sich an diesem historisch so aufgeladenen Ort ganz unbefangen familiär und privat – das dokumentiere ich mit meiner Camera.