Auf Augenhöhe
Eine Serie von Jörg Steinbach
Die zehn Aufnahmen der Serie Auf Augenhöhe gehören zu einem umfangreicheren Set von Portraits gleichen Titels. Die konzeptionellen Vorgaben der Serie sehen einen engen Bildausschnitt, identische Beleuchtung von der Seite und die entspannte Mimik der Portraitierten vor. Im Gegenzug dazu verhindert die verwendete Polaroidtechnik die Kontrolle des Fotografen im entscheidenden Augenblick. Und einige Portraitierte nehmen den Augenblick der Belichtung zu einer unwillkürlichen Veränderung der Haltung oder der Mimik wahr. Das Setting wie der Automatismus der selbstentwickelndenen Bilder bezeichnen hier aber schon grundsätzlich eine Dimension objektiven Erscheinens als Rahmen für das unvermittelte Aufscheinen von Subjektivität. Die Spiegelverkehrtheit verfremdet das Aussehen für den Blick anderer; die Entwicklungsspuren der Polaroids verleihen jedem Auftritt den Charakter einer einzigartigen Erscheinung, die durch die Materialität des Positivs (mit Aluminiumrahmen und Papierlasche) gleichsam inkarniert wird. Die Präsentation als Serie lässt einen Zusammenhang von Anonymität und Identität zur Geltung kommen, der die Persönlichkeit jedes einzelnen als Geheimnis eines Gegenübers „auf Augenhöhe“ freigibt.